Delbar – das Blut, das nach Hause zurückkehrt. Die Geschichte einer großen Langstreckenlinie
Manche Zuchtgeschichten beginnen mit einem Sieg.
Die Geschichte der Delbars beginnt mit einem Verlust.
Im Jahr 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, wurden die Tauben von Oscar Delbar und seinem Sohn Maurice aus dem belgischen Ronse von den Deutschen mitgenommen. Für einen Taubenzüchter bedeutete dies nahezu die Vernichtung jahrelanger Arbeit.
Nach dem Waffenstillstand konnten sechs Täubinnen wiedergefunden werden. Fünf von ihnen waren Töchter des berühmten „Blauwe Vier“.
Mit diesen wenigen Vögeln begann der Wiederaufbau einer Familie, die später zu den bekanntesten Namen in der Geschichte des europäischen Langstreckensports gehören sollte.
Eine Linie, die aus sechs Täubinnen wiederaufgebaut wurde
Delbar war nicht die Geschichte einer einzigen Saison oder einer einzigen Ausnahmetaube.
Es war eine Familie, die über Generationen aufgebaut wurde.
Zuerst Oscar Delbar, danach Maurice und später auch Mick Delbar setzten die Familientradition in Ronse fort.
Nach den Kriegsverlusten wurden die geretteten Täubinnen unter anderem mit Tauben von Depreter aus Putte verpaart. Später kamen weitere wertvolle Tiere hinzu, doch die Richtung blieb dieselbe:
Tauben zu züchten, die von schweren Langstreckenflügen nach Hause zurückkehren können.
Die Distanz war der wahre Prüfstein
Die Delbars wurden vor allem auf der Lang- und Extrem-Langstrecke berühmt.
Es ging nicht um Tauben, die nur über einige hundert Kilometer durch Geschwindigkeit beeindruckten.
Ihre Stärke sollte sich dann zeigen, wenn ein Flug wirklich hart wurde:
- bei starkem Wind,
- bei Hitze,
- nach vielen Stunden in der Luft,
- auf Strecken, die echte Ausdauer verlangten,
- wenn viele andere Tauben bereits nachließen.
Alte Beschreibungen zeichnen das Bild kräftiger, ruhiger und widerstandsfähiger Tauben.
Nicht immer die spektakulärsten im Aussehen.
Aber für die Arbeit geschaffen.
Die goldenen Jahre von Maurice Delbar
In den 1930er-Jahren gehörte Maurice Delbar zu den bedeutendsten Namen des europäischen Brieftaubensports.
Seine Ergebnisse zeigten mehr als die Klasse eines einzelnen Fliegers.
Sie zeigten die Stärke einer ganzen Familie.
1935 erzielte Delbar ab Dax mit vier gesetzten Tauben:
-
- National,
-
- National,
-
- National,
-
- National.
In Angoulême belegten drei seiner Tauben bei einem interprovinzialen Flug die Plätze 1, 2 und 3.
1937 erreichten sechs gesetzte Tauben ab Narbonne:
- 1.,
- 2.,
- 4.,
- 5.,
- 9.,
-
- Platz.
Besonders wichtig: Diese Vögel waren eng miteinander verwandt.
Das war kein Zufall.
Das war eine Familie.
Little Chequer – ein Symbol der Delbar-Stärke
Eine der bekanntesten Tauben von Maurice Delbar war „Little Chequer“, in historischen Quellen auch als „Kleine“ bezeichnet.
1932 geboren, wurde er zu einem Symbol des Schlages.
Ihm wird eine außergewöhnliche Serie von Ergebnissen ab Saint-Vincent zugeschrieben:
- zweimal 1. National,
-
- National,
-
- National,
-
- National,
-
- National.
Solche Ergebnisse machen aus einer Taube mehr als nur einen guten Flieger.
Sie machen sie zu einem Teil der Geschichte einer ganzen Linie.
Eine echte Linie bedeutet Wiederholbarkeit
In der Taubenzucht ist es leicht, das Wort „Linie“ zu benutzen.
Eine echte Linie aufzubauen ist deutlich schwieriger.
Sie entsteht nicht dadurch, dass einmal ein berühmter Name im Stammbaum auftaucht.
Sie entsteht, wenn sich Eigenschaften über Generationen wiederholen.
Bei den Delbars waren dies vor allem:
- Ausdauer,
- Kraft,
- Ruhe,
- Widerstandsfähigkeit,
- Orientierung,
- Charakter für schwere Langstreckenflüge.
Am Ende zählte eine Frage:
Kommt diese Taube nach Hause, wenn der Flug nicht mehr einfach ist?
Golden Grizzles – eine Farbe als Zeichen der Erinnerung
Zur Geschichte der Delbars gehören auch die charakteristischen Grizzle-Tauben.
Nachkommen der sogenannten „Golden Grizzles“ beeinflussten nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Zuchten in Belgien und Deutschland.
Natürlich gewinnt keine Farbe einen Flug.
Weder Blau noch Grizzle entscheidet.
Gesundheit, Vorbereitung, Orientierung, Charakter und Selektion entscheiden.
Doch manchmal wird das Aussehen zum Erkennungszeichen einer alten Familie und erinnert an die Geschichte hinter dem Stammbaum.
Delbar blieb nicht in einem einzigen Stammbaum eingeschlossen
Eine der wichtigsten Eigenschaften dieser Familie war ihr Einfluss auf andere Linien.
Delbar-Blut wurde in Kreuzungen eingesetzt, um Ausdauer und Langstreckenqualität einzubringen.
Spuren dieser Familie finden sich auch in der Geschichte von Jan Aarden.
Piet de Weerd, der beim Aufbau der Aarden-Linie eine große Rolle spielte, brachte Aarden unter anderem Tauben mit Delbar- sowie Delbar–Deguffroy-Herkunft.
Das zeigt, wie weit der Einfluss dieser belgischen Familie reichte.
Der Name konnte nach einigen Generationen aus dem Vordergrund des Stammbaums verschwinden.
Der genetische Einfluss blieb.
Delbar heute – ein Name allein reicht nicht
Ein alter Name im Stammbaum garantiert keinen Erfolg.
Nicht jede Taube mit der Bezeichnung Delbar ist ein Champion.
Nicht jeder Nachkomme einer großen Familie erbt ihre besten Eigenschaften.
Deshalb sollte ein moderner Züchter weiter schauen als nur auf den Namen.
Wichtige Fragen sind:
- Von welchen konkreten Tauben stammt sie ab?
- Welche Leistungen zeigte die Familie?
- Auf welchen Distanzen?
- Unter welchen Bedingungen?
- Wiederholt die Nachzucht die gewünschten Eigenschaften?
- Vererbt die Familie Gesundheit und Widerstandskraft?
- Bestätigen die Ergebnisse den Stammbaum?
Der Stammbaum ist Geschichte.
Doch der Korb muss den Wert bestätigen.
Was kann ein moderner Züchter von den Delbars lernen?
Die Geschichte dieser Familie vermittelt einige einfache Lektionen:
- wenige außergewöhnliche Tauben können wertvoller sein als sehr viele durchschnittliche,
- eine Krise muss nicht das Ende einer Zucht bedeuten,
- die Leistung einer Familie ist wichtiger als ein einzelner Zufallserfolg,
- wertvolles Blut muss getestet und nicht nur bewahrt werden,
- auf der Langstrecke sind Charakter und Widerstandskraft genauso wichtig wie Geschwindigkeit,
- ein berühmter Name ersetzt niemals konsequente Selektion.
Fazit
Delbar ist die Geschichte einer Familie, die nach einem beinahe vollständigen Verlust ihre Zucht wiederaufbaute und Tauben schuf, die die härtesten Flüge ihrer Zeit gewinnen konnten.
Sie erinnert auch daran, dass große Linien nicht überlebt haben, weil sie modern waren.
Sie überlebten, weil ihr Wert über Generationen hinweg im Korb bestätigt wurde.
Die wichtigsten Tauben sind nicht immer diejenigen, die auf dem Papier am besten aussehen.
Manchmal sind es diejenigen, die zurückkehren, wenn andere längst aufgehört haben, in den Himmel zu schauen.
Sieh dir das vollständige Videomaterial an
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